Für Studiobetreiber, öffentliche Auftraggeber und Sicherheitsverantwortliche in Sportstätten ist die Konformität der Fitnessgeräte zugleich gesetzliche Pflicht und Schutz vor Haftungsansprüchen. Der europäische Bezugsrahmen ist EN ISO 20957, die geltende harmonisierte Norm für stationäre Trainingsgeräte, deren aktueller allgemeiner Teil EN ISO 20957-1:2024 ist. Auf Zertifikaten und in Ausschreibungsunterlagen begegnet Ihnen weiterhin die ältere Bezeichnung EN 957: EN 957 ist die historische europäische Reihe, die schrittweise in ISO 20957 überführt wurde. Beide Namen bezeichnen denselben Anforderungsbestand.
Dieser Leitfaden behandelt den Aufbau der Norm, die Nutzungsklassen S, H und I, den Inhalt der Konformitätsprüfungen, die CE-Kennzeichnung sowie die Pflichten, die Betreiber gewerblicher Anlagen erfüllen müssen.
Von EN 957 zu EN ISO 20957-1:2024
Herkunft der Norm
Die ursprüngliche Reihe EN 957 wurde von CEN/TC 136 (Sport-, Spielplatz- und andere Freizeitanlagen und -geräte) erarbeitet. Der allgemeine Teil EN 957-1 stammt aus dem Jahr 1996 und wurde 2005 grundlegend überarbeitet. Die Einhaltung der harmonisierten Norm verschafft Geräten, die auf dem EU-Markt bereitgestellt werden, die Sicherheitsvermutung nach dem europäischen Produktsicherheitsrecht.
Der aktuelle Bezug: EN ISO 20957
Seit 2013 führen CEN und ISO ihre Arbeiten unter der Bezeichnung ISO 20957 / EN ISO 20957 zusammen. 2024 wurde die dritte Ausgabe des allgemeinen Teils verabschiedet: EN ISO 20957-1:2024 ist die Fassung, die in jedem Beschaffungsdokument zu nennen ist. Im Alltag werden EN 957 und ISO 20957 häufig synonym verwendet, und einzelne Teile werden noch unter der alten Nummerierung zitiert, insbesondere Teil 6 für motorisierte Laufbänder, EN 957-6+A1. Für Neubeschaffungen und Ausschreibungen ist stets die jüngste in Kraft befindliche Ausgabe anzugeben, also EN ISO 20957-1 Klasse S.
Anwendungsbereich
EN ISO 20957 gilt für alle stationären Trainingsgeräte für den Innenbereich: motorisierte Geräte wie Laufbänder und vernetzte Ergometer ebenso wie rein mechanische Geräte, also Steckgewichtsmaschinen, Plate-Loaded-Stationen und Hantelbänke. Erfasst sind gewerbliche Flächen wie Studios, Hotels, öffentliche Einrichtungen und Rehabilitationszentren ebenso wie die private Nutzung. Nicht erfasst sind Outdoor-Fitnessgeräte, für die EN 16630 gilt, sowie Geräte für Kinder unter 14 Jahren außerhalb der beaufsichtigten schulischen Nutzung.
Aufbau der Norm: die Teile der Reihe EN ISO 20957
Die Reihe ist um einen allgemeinen Teil (Teil 1) herum aufgebaut, der für jedes Gerät gilt, ergänzt um spezifische Teile mit zusätzlichen Anforderungen je Gerätefamilie.
| Teil | Aktueller Bezug | Anwendungsbereich |
|---|---|---|
| Teil 1 | EN ISO 20957-1:2024 | Allgemeine sicherheitstechnische Anforderungen und Prüfverfahren: Begriffe, Nutzungsklassen S, H und I, geräteübergreifende Anforderungen, Kennzeichnung |
| Teil 2 | EN ISO 20957-2 (2021) | Krafttrainingsgeräte: zusätzliche Anforderungen an Steckgewichts-, Seilzug-, Elastik-, Hydraulik- und Pneumatikwiderstandsgeräte |
| Teil 3 | In Teil 2 überführt | Früherer Teil zu institutionellen Kraftgeräten, heute in EN ISO 20957-2 integriert |
| Teil 4 | EN ISO 20957-4 (2017) | Trainingsbänke: Flach-, Schräg-, Negativ- und Drückerbänke |
| Teil 5 | EN ISO 20957-5 (2017) | Stationäre Trainingsfahrräder und Oberkörper-Kurbeltrainer |
| Teil 6 | EN 957-6+A1 (2014), Altbezeichnung | Motorisierte Laufbänder: Notausschaltung, Höchstgeschwindigkeit, Schutz beweglicher Teile |
| Teil 7 | EN ISO 20957-7 (2021) | Rudergeräte |
| Teil 8 | EN ISO 20957-8 (2018) | Stepper, Treppensteiger und Klettersimulatoren |
| Teil 9 | EN ISO 20957-9 (2017, geändert 2019) | Ellipsentrainer und Crosstrainer |
| Teil 10 | EN ISO 20957-10 (2018) | Trainingsfahrräder mit starrem Rad oder ohne Freilauf |
Um eine Anlage von Anfang an richtig auszustatten, sehen Sie sich unsere Baureihen normkonformer Kraftgeräte und gewerblicher Cardiogeräte an.
Nutzungsklassen: S (gewerblich), H (privat) und I (intensiv)
Warum es die Klassifizierung gibt
Ein Laufband, das in einem Studio mit 200 Besuchern am Tag mehrere Stunden täglich läuft, erfährt eine völlig andere mechanische Belastung als ein Crosstrainer im privaten Wohnzimmer. Die Norm definiert deshalb getrennte Nutzungsklassen:
- Klasse H (Heimgebrauch): Geräte für die private häusliche Nutzung durch wenige Personen, mit Dauerhaltbarkeitsprüfungen für reduzierte Nutzungszyklen.
- Klasse S (Studio, gewerbliche Nutzung): Geräte für Fitnessstudios, Vereine, Hotels, Schulen, öffentliche Einrichtungen und Rehabilitationszentren, mit deutlich anspruchsvolleren Dauerprüfungen, die Jahre intensiver Nutzung abbilden.
- Klasse I (intensive Nutzung, eingeführt mit der Ausgabe 2024 von Teil 1): Umgebungen mit sehr hoher Frequenz, mit Kriterien, die noch über Klasse S hinausgehen.
Entscheidend: Ein Gerät der Klasse H darf in einer gewerblichen, öffentlich zugänglichen Einrichtung nicht eingesetzt werden. Ereignet sich ein Unfall mit einem Gerät außerhalb seiner Klasse, ist die Haftung des Betreibers unmittelbar berührt. Beschaffen Sie ausschließlich nach EN ISO 20957-1 Klasse S.
| Kriterium | Klasse H, privat | Klasse S, gewerblich |
|---|---|---|
| Vorgesehene Umgebung | Privathaushalt | Studio, Hotel, Schule, Verein, öffentliche Einrichtung |
| Nutzer | 1 bis 3 Personen im Haushalt | Unbegrenzt, vom Betreiber gesteuert |
| Nutzungsintensität | Gering bis mittel | Intensiv, mehrere Stunden täglich |
| Dauerhaltbarkeitsprüfung | Reduzierte Prüfzyklen | Vervielfachte Prüfzyklen, Faktor 3 bis 5 |
| Prüflasten | Statische und dynamische Standardlasten | Erhöhte statische und dynamische Lasten |
| Konstruktion und Ausführung | Grundlegende Belastbarkeit | Verstärkte Rahmen, Schweißnähte und Seile; korrosions- und verschleißfeste Oberflächen |
| Zulässig in öffentlich zugänglichen Anlagen | Nein | Ja |
Wie Sie die Klasse eines Geräts erkennen
Die Nutzungsklasse muss in den Verkaufsunterlagen, in der Anleitung und in der Kennzeichnung am Gerät selbst ausgewiesen sein. Verlangen Sie in jedem Vergabeverfahren die Konformitätsbescheinigung nach EN ISO 20957 mit Angabe der Nutzungsklasse und der abgedeckten Teile.
Was die Konformitätsprüfungen tatsächlich messen
Festigkeits- und Lastprüfungen
- Statische Last: Eine feste Last oberhalb der angegebenen maximalen Nutzerlast wird aufgebracht und gehalten; bleibende Verformung oder Versagen sind unzulässig.
- Dynamische Last: Wiederholte wechselnde Lasten bilden die reale Bewegung ab, mit deutlich höherer Zyklenzahl für Klasse S.
- Krafteinleitungspunkte: Festigkeit von Gewichtsschlitten, Führungen, Seilen und Umlenkrollen.
- Strukturelle Integrität: Schweißnähte, Schrauben und Verbindungen unter wiederholter dynamischer Beanspruchung.
Standsicherheitsprüfungen
Jedes Gerät muss dem Kippen zur Seite und nach vorn standhalten, auch unter außermittiger Last. Bei Steckgewichtsmaschinen muss die Standsicherheit unabhängig von der gewählten Gewichtsposition gegeben sein.
Dauerhaltbarkeits- und Ermüdungsprüfungen
Sie unterscheiden die Klassen H und S am deutlichsten. Das Gerät durchläuft Millionen mechanischer Zyklen, die Jahre intensiver Nutzung abbilden. Kein kritisches Bauteil, weder Seile noch Achsen, Lager, Pedale, Verstellmechanismen oder Widerstandssysteme, darf danach Risse, übermäßige Verformung oder auffälliges Spiel zeigen.
Funktions- und ergonomische Sicherheitsprüfungen
- Einklemm- und Fangstellen: keine Spalte, in denen Finger, Hände oder Gliedmaßen eingeklemmt werden können, mit strengen Maßkriterien.
- Notausschaltung bei motorisierten Geräten: Sicherheitsschlüssel und Stopptaster am Laufband, mit maximaler Anhaltezeit.
- Kanten: keine zugänglichen scharfen Kanten oder abrasiven Oberflächen.
- Verstellsysteme: Verriegelungen dürfen sich unter Last oder Vibration nicht ungewollt lösen.
- Anzeigegenauigkeit: Toleranzen für angezeigte Leistung, Geschwindigkeit und Herzfrequenz.
CE-Kennzeichnung und Pflichtunterlagen
Die CE-Kennzeichnung zeigt die Übereinstimmung mit allen einschlägigen europäischen Richtlinien an. Bei motorisierten Geräten gehören dazu die Niederspannungsrichtlinie 2014/35/EU, die EMV-Richtlinie und RoHS; bei rein mechanischen Geräten begründet die Übereinstimmung mit EN ISO 20957 die Konformitätsvermutung gegenüber dem allgemeinen EU-Produktsicherheitsrecht. In der Praxis muss der Hersteller eine EU-Konformitätserklärung ausstellen, eine technische Dokumentation aus Zeichnungen, Prüfergebnissen und Risikoanalysen zusammenstellen, die CE-Kennzeichnung anbringen und die Unterlagen mindestens 10 Jahre nach dem Inverkehrbringen aufbewahren.
Jeder gewerbliche Einkauf sollte grundsätzlich anfordern: die EU-Konformitätserklärung; den Prüfbericht einer akkreditierten Stelle wie TUV, SGS, Intertek oder Bureau Veritas mit Angabe des geprüften Normteils und der bestätigten Nutzungsklasse; die Betriebs- und Wartungsanleitung in der Betriebssprache mit Prüfintervallen; und die Ersatzteilliste mit zugesicherten Verfügbarkeitszeiträumen.
Betreiberpflichten: Haftung, Prüfung, Wartung
Der Betreiber der Anlage ist im Sinne der Norm die verantwortliche Stelle. In ganz Europa verpflichtet das nationale Arbeits- und Sicherheitsrecht die Betreiber öffentlich zugänglicher Sportanlagen, also private Studios, Hotels, Schulen, Pflegeeinrichtungen sowie militärische Liegenschaften, die Sicherheit der Nutzer zu gewährleisten. Die Übereinstimmung mit EN ISO 20957 ist dabei der anerkannte Maßstab. Nach einem Unfall mit nicht konformen oder schlecht gewarteten Geräten haftet der Betreiber zivilrechtlich und unter Umständen strafrechtlich, auch in unbesetzten Anlagen.
Die Norm stützt ein dreistufiges Prüfregime:
- Tägliche Sichtprüfung: ausgefranste Seile, lose Schrauben, gelöste Polster oder Griffe.
- Vierteljährliche Funktionsprüfung: Funktionstest, Notausschaltungen, Schmierung, Seilspannung.
- Jährliche Hauptprüfung: Strukturkontrolle, vorbeugender Austausch von Verschleißteilen, Fortschreibung des Prüfbuchs.
Alle Kontrollen gehören datiert und unterschrieben in ein Prüfbuch, das Aufsichtsbehörden und Versicherer als Erstes verlangen. Ein strukturierter jährlicher Wartungsplan macht das überschaubar.
Nichtkonformität führt zu abgestuften Sanktionen: Beanstandungen, vorübergehende Schließung, Verlust des Versicherungsschutzes nach einem Vorfall, Bußgelder und in schweren Fällen Strafverfolgung. Ein gewerblich eingesetztes Gerät der Klasse H ist auch dann nicht konform, wenn es fabrikneu und CE-gekennzeichnet ist.
Beschaffungscheckliste für Entscheider
- Zertifizierung nach EN ISO 20957-1 Klasse S verlangen, bei sehr hoher Frequenz Klasse I
- Prüfberichte je Normteil anfordern, etwa EN ISO 20957-2 für Kraftgeräte und Teil 6 für Laufbänder
- CE-Kennzeichnung und EU-Konformitätserklärung prüfen
- Anleitung in der Betriebssprache mit Wartungsvorgaben sicherstellen
- Ersatzteilverfügbarkeit von mindestens 7 bis 10 Jahren bestätigen lassen
- Die wiederkehrenden Prüfungen in den vorbeugenden Wartungsplan aufnehmen
Light In Fitness ist seit 2013 Fachhändler für professionelle Fitnessgeräte und arbeitet ausschließlich mit Herstellern, die nach EN ISO 20957-1 Klasse S zertifiziert sind. Jede Bestellung wird mit vollständiger Konformitätsakte und eigenem Kundendienst ausgeliefert. Ob Sie eine kommunale Sporthalle, ein Hotel oder ein vollständiges gewerbliches Studio ausstatten, unser Team begleitet Ihre Leistungsbeschreibung: kostenloses Angebot anfordern.
FAQ zu EN ISO 20957 und EN 957
Worin unterscheiden sich EN 957 und EN ISO 20957?
EN 957 ist die historische europäische Reihe aus den 1990er-Jahren. Seit 2013 führen CEN und ISO ihre Arbeit unter ISO 20957 / EN ISO 20957 zusammen, und der allgemeine Teil wurde als EN ISO 20957-1:2024 fortgeschrieben. Beide Namen bezeichnen denselben Rahmen; einzelne Teile, insbesondere Teil 6 zu Laufbändern, werden noch unter der alten Nummerierung zitiert. Für jede gewerbliche Beschaffung ist die Übereinstimmung mit EN ISO 20957-1 Klasse S in der aktuellen Ausgabe zu fordern.
Dürfen Geräte der Klasse H in einem gewerblichen Studio stehen?
Nein. Klasse H ist strikt dem privaten Bereich vorbehalten. Der Einsatz in einer öffentlich zugänglichen Einrichtung ist eine Nichtkonformität: Nach einem Unfall ist die Haftung des Betreibers unmittelbar berührt. Im gewerblichen Kontext ist ausschließlich Ausstattung nach Klasse S oder Klasse I zulässig.
Wie oft müssen Geräte geprüft werden?
Drei Stufen sind empfohlen: tägliche Sichtprüfung durch das Personal, vierteljährliche Funktionsprüfung von Sicherheitssystemen, Seilen und Schmierung sowie eine jährliche Hauptprüfung durch eine qualifizierte Fachkraft. Jede Kontrolle gehört in ein datiertes Prüfbuch, das Behörden und Versicherer anfordern können.
Welche Risiken bestehen bei nicht konformer Ausstattung?
Die Sanktionen sind abgestuft: Beanstandung, vorübergehende Schließung, Entzug des Haftpflichtversicherungsschutzes mit persönlicher Exposition des Betreibers, Bußgelder und bei nachgewiesenem schwerem Verschulden Strafverfolgung. Das gilt für private Studiobetreiber und öffentliche Träger gleichermaßen, einschließlich Schulen, Pflegeeinrichtungen und militärischer Liegenschaften.
Wie prüfe ich die Konformität vor dem Kauf?
Prüfen Sie vier Punkte: erstens die CE-Kennzeichnung am Gerät; zweitens eine unterzeichnete EU-Konformitätserklärung; drittens einen Prüfbericht eines akkreditierten Labors, der den abgedeckten Teil der EN ISO 20957 nennt und Klasse S bestätigt; viertens eine Betriebsanleitung, die Norm und Nutzungsklasse ausweist. Fordern Sie diese Unterlagen im Zweifel vor der Beauftragung an.
Fazit
EN ISO 20957 mit EN ISO 20957-1:2024 als aktuellem allgemeinem Teil ist das regulatorische Rückgrat der Gerätesicherheit im gewerblichen Fitnessbereich in Europa. Ihr Klassensystem bringt einen einfachen Grundsatz zum Ausdruck: Professionelle Nutzung verlangt Geräte, die für professionelle Nutzung konstruiert sind. Wer die Norm beherrscht, schützt seine Nutzer, sichert seine Anlage rechtlich ab und bewahrt seine Investition. Für ein Konformitätsaudit eines bestehenden Geräteparks oder ein schlüsselfertiges, vollständig normkonformes Projekt sprechen Sie das Team von Light In Fitness an.
Sources et références
- NF EN ISO 20957-1 – équipement d’entraînement fixe, partie 1 : exigences générales de sécurité et méthodes d’essai (AFNOR)
- AFNOR Normalisation – dossier thématique sur les appareils d’entraînement fixes et leurs classes d’usage
- Code de la commande publique – texte intégral en vigueur (Légifrance)
- Direction des affaires juridiques, ministère de l’Économie – réglementation de la commande publique et fiches techniques



