Die Multipresse ist der freien Langhantel weder überlegen noch unterlegen: Sie beantwortet eine andere Frage, nämlich die nach belastetem Training ohne Spotter. Sie erlaubt es, eine Muskelgruppe zu isolieren und sicher nahe ans Muskelversagen zu gehen. Was sie nicht entwickelt, ist die Stabilisierung – der eigentliche Beitrag freier Gewichte.
Wenige Geräte schleppen so viel Ballast mit sich. Um die Multipresse ranken sich Mythen, pauschale Ablehnung und starke Meinungen – und wer als Betreiber entscheiden muss, ob er ihr Fläche einräumt, kommt damit nicht weiter. Dieser Beitrag sieht sich an, was die veröffentlichte Forschung tatsächlich berichtet und welche praktischen Einsatzfälle die Stellfläche rechtfertigen.
Muskelaktivierung bei den Grundübungen
Eine Arbeit von Schick und Kollegen fand, dass Bankdrücken an der Multipresse die Aktivierung des seitlichen Deltamuskels gegenüber dem freien Bankdrücken senkt, während Brustmuskulatur und vorderer Deltamuskel nicht signifikant betroffen sind. Die wahrscheinliche Erklärung ist der geringere Stabilisierungsbedarf einer geführten Bahn.
Bei der Einordnung dieses Ergebnisses ist eine Einschränkung wichtig: Das im Versuch verwendete Gerät hatte eine leicht nach hinten geneigte Hantelbahn und verhielt sich damit ähnlicher wie freies Bankdrücken als die meisten Multipressen, deren Bahn senkrecht oder nach vorn geneigt verläuft. Auch mit dieser Einschränkung bleibt die allgemeine Aussage bestehen: Die Multipresse sollte die Aktivität von Brust und vorderer Schulter nicht nennenswert verringern.
Für die untere Extremität berichteten Schwanbeck und Kollegen eine signifikant höhere Aktivierung von Bizeps femoris, Vastus medialis und Gastrocnemius bei der Kniebeuge mit freien Gewichten als an der Multipresse. Für die übrigen gemessenen Muskeln fanden sie keine statistisch signifikanten Unterschiede, wobei die Aktivität des Vastus lateralis mit freien Gewichten um 25 Prozent höher lag und das mittlere EMG der Studie um 43 Prozent. Auch hier ist der geringere Stabilisierungsbedarf die naheliegende Ursache. Die klare Grenze dieser Arbeit ist die kleine Stichprobe von sechs Teilnehmern. Ihre Stärke ist die Lastnormierung: Beide Übungen wurden mit 8RM ausgeführt, was das Risiko ausschließt, die Aktivierung durch eine ungleiche Gewichtswahl zu verzerren.
Dass freies Training mehr Muskelaktivierung erzeugt, überrascht nicht, und das EMG ist ein Indikator und keine perfekte Messgröße. Keiner der beiden Befunde erledigt die Multipresse, denn genau die Eigenschaft, die die Aktivierung senkt, macht das Gerät an bestimmten Stellen einer Trainingsplanung nützlich. Ihre Nachteile werden im richtigen Zusammenhang zu Vorteilen.
Kraftentfaltung
Eine Untersuchung von Cotterman und Kollegen zeigt, dass Männer wie Frauen beim Bankdrücken mit freien Gewichten mehr Kraft entfalten als an der Multipresse. Bei der Kniebeuge erzeugten Frauen am Gerät mehr Kraft als mit der Langhantel, während sich bei Männern kein solcher Zusammenhang zeigte. Plausibel erklärt sich das durch die größere Übung von Männern mit schweren freien Lasten und eine andere Kraftverteilung in der Oberschenkelmuskulatur.
Sicherheit und psychologischer Komfort
Zur Sicherheit der Multipresse gibt es kaum spezifische veröffentlichte Forschung. Festhalten lässt sich: Für manche Nutzer fühlt sich die geführte Bahn so unnatürlich an, dass sie damit nicht wirksam trainieren können – die meisten empfinden dagegen keinerlei Unbehagen. Zudem lässt sich die Hantel an jedem Punkt des Bewegungsumfangs arretieren, was Arbeit nahe am Muskelversagen absichert und Alleintrainierenden psychologischen Komfort gibt.
Für Nutzer, deren Knie hohe Lasten nicht vertragen, ist die Multipresse eine Option unter mehreren, weil die geführte Bahn eine senkrechtere Schienbeinstellung und damit geringere Scherkräfte im Knie erlaubt. Automatisch die beste Wahl ist sie deshalb nicht: Andere Kniebeugevarianten erreichen dieselbe Schienbeinstellung, etwa die Box Squat. Unter normalen Trainingsbedingungen sind weder Scherkräfte in der Kniebeuge noch über die Zehenspitzen wandernde Knie für sich genommen ein Problem: Der Körper passt sich solchen Belastungen an, und diese Anpassung festigt Gelenke, Bänder und Sehnen.
Der Organismus passt sich an die Anforderungen an, die an ihn gestellt werden. Eine Bewegung, die nicht vollkommen natürlich ist, erhöht das Verletzungsrisiko nicht automatisch, sofern vorsichtig begonnen und schrittweise gesteigert wird. Nichts davon ist ein Argument für schlechtes Training am Gerät – es ist ein Argument dagegen, es aus Prinzip auszuschließen.
Volumen günstiger aufbauen
Weil sie den Stabilisierungsbedarf minimiert, ist die Multipresse in volumenstarken Phasen ein wirklich nützliches Werkzeug – etwa in einem Akkumulationsblock der Blockperiodisierung, in dem sich klassische Übungen mit freien Gewichten in großer Menge nur schwer durchhalten lassen. Der Sicherheitsvorteil kehrt hier zurück: Training bis zum Muskelversagen ist an der Multipresse risikoärmer, weil sich die Hantel an jeder Stelle der Bewegung arretieren lässt. Für eine gewerbliche Fläche heißt das: eine Station, die Mitglieder hart nutzen können, ohne einen Trainer zu binden.
Die Multipresse als Zusatzstation
Das Gerät hat mehrere wenig offensichtliche Vorzüge, die sich direkt aus seiner Bauweise ergeben – und oft sind es diese, die den Platz auf der Fläche rechtfertigen.
Hintere Kette
Der Rahmen bietet eine ausgezeichnete, höhenverstellbare Fixierung der Beine für den Nordic Hamstring Curl. Bleibt man beim Unterkörper, erlaubt eine auf passender Höhe arretierte Hantel zusammen mit einer Bank Arbeit an der hinteren Kette, etwa Rückenstrecken.
Sie ist außerdem eine sehr gute Wadenstation, wenn keine speziellen Geräte zur Verfügung stehen, und deckt die sitzende, die stehende sowie die Donkey-Variante ab.
Rücken
Ein wichtiger Einsatz ist die Nutzung als feste Stange. Das hilft besonders Mitgliedern, die noch keine Klimmzüge schaffen oder ihre exzentrische Kraft steigern wollen, denn die verstellbare Höhe erleichtert eine verlangsamte negative Phase erheblich.
Die Stange dient zudem für Inverted Rows, eine äußerst wirksame Rückenübung, vor allem mit Zusatzlast. Die Stangenhöhe bestimmt die Schwierigkeit: Je waagerechter der Körper, desto schwerer die Übung. Eine Bumper-Scheibe oder eine Bank unter den Füßen ist eine sinnvolle Ergänzung.
Arme
Die geführte Bahn macht den Drag Curl ungewöhnlich leicht vermittelbar. Er trainiert den Bizeps anders als der klassische Curl, weil sich die Widerstandskurve verschiebt, was der regionalen Entwicklung zugutekommen kann.
Häufige Fragen
Ersetzt die Multipresse ein Squat Rack?
Nein. Beide beantworten unterschiedliche Anforderungen, und die meisten gewerblichen Flächen führen beides. Das Rack deckt freies Beugen und Drücken ab, die Multipresse das Training ohne Spotter, volumenstarke Phasen und die oben beschriebenen Zusatzeinsätze.
Welche Norm gilt für eine Indoor-Multipresse?
EN ISO 20957-1 Klasse S, die professionelle Klasse für beaufsichtigte Anlagen mit unbeschränktem Zugang. Klasse I ist eine eigene professionelle Klasse für inklusiven Zugang und keine Stufe oberhalb der Klasse S.
Eignet sie sich für die Rehabilitation?
Sie kann unter fachlicher Aufsicht Teil eines Wiederaufbauprogramms sein, vor allem wegen der arretierbaren Hantel und der senkrechteren Schienbeinstellung. Die Programmierung bleibt Sache der behandelnden Fachkraft.
Wie viel Platz sollte man einplanen?
Planen Sie Be- und Entladen auf beiden Seiten der Hantel ein, dazu eine Bank oder eine Scheibenablage daneben, wenn das Gerät auch zum Drücken und für Zusatzübungen genutzt wird.
Die passende Multipresse auswählen
Beurteilt man sie nach dem, was sie leistet, und nicht nach ihrem Ruf, ist die Multipresse eine vielseitige Station: Isolationswerkzeug, sichere Möglichkeit nahe am Muskelversagen zu arbeiten, Klimmzug- und Inverted-Row-Stange sowie Station für hintere Kette und Waden in einer Stellfläche. Sehen Sie sich unser Programm an professionellen Multipressen an, vergleichen Sie es mit unseren Squat Racks und Power Racks und werfen Sie einen Blick auf das gesamte Programm an Kraftgeräten fürs Fitnessstudio. Sagen Sie uns, wie Ihre Mitglieder trainieren – wir beraten Sie zur richtigen Kombination. Fordern Sie ein Angebot an.


